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Der Fitnesslüge aufgesessen

Warum das Betreuungskonzept von Großraumstudios nicht funktionieren kann

Konzepte

— Premiumanbieter / Discounter

Der Zeitgeist ist auch in  der Fitnessbranche stetig im Wandel. So hat das Verlangen nach Qualität und Atmosphäre in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Es wird nicht mehr das billigste Studio ausgewählt. Viele Trainierende haben das Verlangen, Teil einer Community zu sein und im Training von qualifiziertem Personal gut betreut zu werden. Wenn auch du nach dieser Art von Training suchst, verrate ich dir, warum dabei nicht jedes Studio in Frage kommt. 

In der Fitnessbranche unterscheidet man die Arten von Fitnessstudios unter anderem nach Größe,  Anzahl der Standorte, Konzept und Preis. Hier werde ich vor allem auf sogenannte Discount- und Premiumanbieter eingehen. Discountanbieter sind wie ihr euch vorstellen könnt, Kettenstudios wie FitX oder McFit (RSG-Group). Unter Premium-Anbietern versteht man Studios die sich in höheren Preisklassen ansiedeln, was ein intensiveres Betreuungskonzept, moderne Ausstattung und eine entsprechende Atmosphäre mit sich bringen soll.

Die RSG-Group bietet hier beispielsweise das Gold´s Gym oder John Reed als selbsternannte „Premiummarke“ an. Tatsächlich sind diese Konzepte allerdings eher ein Hybrid oder ein hochpreisiger Discounter. Grund dafür ist, dass ein umfassendes Betreuungskonzept als Extra-Sale eingesetzt wird. Somit wird eine gute Betreuung nicht jedem Mitglied per se versprochen. Es ist nicht Teil der Grundleistung sondern kann auf Verlangen hinzugebucht werden und kostet dementsprechend mehr.

Premium-Anbieter wie Fitness-First oder Easyfitness-Premium werben mit der intensiveren Betreuung hingegen nicht als Zusatzleistung, sondern kalkulieren diese bereits in die Grundleistung mit ein. 

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B-Lizenzen

— Qualität (?)

Das Versprechen der Fitnessstudios im Premiumbereich ist es, dem Kunden eine Wohlfühlatmosphäre zu liefern. Der Kunde soll ein positives Erlebnis beim Trainieren bekommen und somit gerne wieder zum Training erscheinen. Je zufriedener der Kunde, desto länger wird die Leistung in Anspruch genommen.

Im Bestreben der Discounter liegt es dagegen möglichst viele Mitgliedschaften zu schreiben, wovon möglichst wenige tatsächlich trainieren kommen sollten. 

Hier wird also klar, wieso die Konzepte allein vom Preis unterschiedlich sein müssen. Während die Premium-Studios darauf angewiesen sind, Qualitätsversprechen einzuhalten um die Kundenabwanderung gering zu halten, ist es den Discountern nur wichtig, auf den ersten Blick möglichst attraktiv zu erscheinen.

Hier lohnt es sich einen genaueren Blick auf die versprochenen Leistung der Studios zu setzen. Denn wenn man auf den Websites von Discountern unterwegs ist, werben diese ebenfalls mit lizensierten Trainern, welche den Kunden qualifizierte Trainingspläne erstellen sollen. Untermauert wird die fachliche Kompetenz dieser mit der „B-Lizenz“. Eine Qualifikation, die an einem Wochenende absolviert werden kann. Diese ist das Einstiegstor für junge Menschen, die einen Nebenjob in der Fitnessbranche annehmen wollen. Diese Lizenz stellt dabei ein grundlegendes Problem für die wirklichen Fachleute im Fitnessbereich dar.

Denn diese Lizenz ermöglicht es den Discountern ihre Leistung als hochwertig zu verkaufen. Für Kunden ist dies nicht auf einen Blick zu erkennen, da nicht bekannt ist, welche Expertise vorausgesetzt wird, um die B-Lizenz zu  erlangen. Hier erwähne ich nochmal gerne, dass diese Lizenz an einem Wochenende erlangt werden kann. Die Frage, welches Fachwissen an einem Wochenende aufgebaut werden kann, darf man sich dann gerne selber stellen.

Entwicklung

— Studios im Wandel

B-Lizenz-Trainer werden sowohl bei Discounter, als auch bei vielen Premium-Anbietern, als Flächentrainer eingesetzt. Die Fitnessstudios konnten somit günstiges Personal als Fachleute verkaufen und dem Preisdumping waren keine Grenzen mehr gesetzt. Eines der Höhepunkte war die Mitgliedschaft von FitX. Diese lag in den ersten Jahren bei 15€/Monat und sollte den Marktführer McFit vom Thron stoßen. Letztendlich wurde dieses Ziel nicht erreicht, da die Verbraucher nicht noch billigere Studios wollten, sondern die Nachfrage nach der Atmosphäre und der Betreuung in den Vordergrund rückte.

Somit begannen die Discounter auch auf diesen Zug aufzuspringen und es wurden Hybrid-Studios  entwickelt. Der in den Menschen manifestierte Gedanke des McFit Studios konnte nicht einfach plötzlich als Premiummarke verkauft werden und es mussten neue Markennamen her. John Reed und Gold´s Gym war die Strategie der RSG Group. Wunderschöne Studios mit hochwertigem Equipment und „lizensiertem“ Personal. Was fehlte war allerdings das Betreuungskonzept, welches allerdings von anderen Premium-Anbietern geliefert wurde.

Das Betreuungskonzept verfolgt dabei die Idee, jedem Trainierenden eine gewisse Aufmerksamkeit im Training zu schenken. Das Mitglied soll stets das Gefühl haben, dass noch bevor eine Frage beim Training entsteht, ein Trainer vorbeikommt und die passende Antwort  liefert. Individuelles, regelmäßiges Coaching und ein persönliches Miteinander, bei dem man sich wertgeschätzt fühlt, ist der neue Schlüssel zum Erfolg. Eine Idee die aus Boutique-Studios extrahiert wurde und nun auf den breiten Markt angewandt werden soll, um weiterhin die Großraumstudios zu füllen. 

Doch es ist in etwa so, als würde man einen guten Wein bei McDonalds erwarten. Ein Studio mit riesiger  Trainingsfläche und mehreren tausend Mitgliedern kann unmöglich dieses Versprechen liefern und das kann man sich auch ganz leicht ausrechnen. 

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Betreuungskonzept

— wie realistisch ist die Umsetzung

Wir vergleichen ein Boutique-Studio mit 120 Mitgliedern und ein Großraumstudio, das mit einem Betreuungskonzept wirbt und 4000 Mitglieder hat. 

Um die Rechnung einfach zu halten, sagen wir, dass jedes Mitglied 3 Mal pro Woche kommt. Wenn ich dem Mitglied im Boutique Studio nun 5 Minuten meiner Aufmerksamkeit pro Training schenke, habe ich auf 120 Mitglieder betrachtet 30 Stunden mit der Betreuung verbracht. Ein relativ realistischer Zeitaufwand für einen einzelnen Flächentrainer. Wobei dies natürlich nur eine Kalkulation darstellt und wir keine Roboter sind. 

Nun schauen wir auf das Großraumstudio mit 4000 Mitgliedern. Um etwas realistischer zu bleiben sagen wir, dass nur die Hälfte regelmäßig zum Training erscheint. Bei gleichem Betreuungsaufwand müssten in dem Fall 17 Trainer auf der Fläche präsent sein, um das Konzept erfüllen zu können. 

Ihr seht also, wenn man Qualität verlangt sollte man sich von dem Gedanken verabschieden im Großraumstudio zu trainieren. Das Versprechen ein gutes Betreuungskonzept liefern zu können ist leider nichts weiter als eine schlechte Kalkulation oder aber eine Lüge. 

Ich hoffe ich konnte dir ein paar nützliche Informationen geben

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